Rufnamen

Rufname war früher die offizielle Bezeichnung für den Vornamen - wenn man mehrere hatte - der in der Geburtsurkunde und in den Ausweispapieren zu unterstreichen war, es war der Ober-Vorname sozusagen. Diese Vorschrift gibt es heute nicht mehr, alle Vornamen, die man besitzt, sind gleichberechtigt, und der Rufname hat seine ursprüngliche Bedeutung wiedergewonnen. Mit dem Rufnamen verbinden wir die erste liebevolle Ansprache und das früheste Lob, aber auch den ersten Tadel. Er ist untrennbar verbunden mit unserer frühen Welterfahrung. Graphologen beobachten deshalb immer wieder, dass der Vorname sorgfältiger geschrieben wird als der Familienname, "weil es sich um einen älteren Besitz handelt."
Seinen Rufnamen kann ein Kind aber auch als großes Unglück empfinden, wenn er die Häme anderer Kinder oder den Spott taktloser Erwachsener herausfordert.

Ein paar Tipps:

Eltern, die nach einem Namen für ihr Kind suchen, sollten sich die einfache Frage stellen, ob sie selbst mit dem gewählten Namen durchs Leben gehen möchten. Der Name Pumuckl, den Eltern für ihr Kind vor Gericht erstritten haben, mag für ein Kind ein witziger Name sein. Ob der Bankangestellte oder Oberstudienrat Pumuckl Schmidt sich mit diesem Namen aber auch noch wohl fühlt?

Geben Sie Ihrem Kind nicht nur einen Vornamen. Für die Eltern ist das weder mit Aufwand, noch mit Kosten verbunden. Aber sie geben dem Kind damit die Chance, sich später - ebenfalls ohne Aufwand - vielleicht für einen anderen der von ihnen ausgewählten Namen zu entscheiden. "Pumuckl" ist kein Problem mehr, wenn das Kind mit einem weiteren Namen zum Beispiel Philipp heißt. Übrigens war ein zweiter "normaler" Name die Bedingung, unter der das Gericht den Namen Pumuckl zuließ.

Machen Sie Ihr Kind nicht zum Aushängeschild Ihrer Überzeugungen, indem Sie es zum Beispiel nach Ihrem politischen Idol benennen ("Che", "Pinochet" oder "Lenin"), mit ihm Ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen demonstrieren ("Backbord" und "Steuerbord" für Zwillinge) oder gar als Objekt fehlgeschlagener Schwangerschaftsverhütungen zur Schau stellen ("Ogino" und "Pillula"). - Alles ernst gemeinte, aber vor Gericht gescheiterte elterliche Namenswünsche.

Ziehen Sie ein gutes Namenbuch zu Rate. Etwa 20 Prozent der Eltern tun das heute. (Vor 40 Jahren waren es nur sechs Prozent). Natürlich finden Sie auch in diesen Büchern Namen, die Ihr Kind als Unglück empfinden kann. Der einzige Unterschied: Anders als bei unzulässigen Fantasienamen wird der Standesbeamte keinerlei Einwände erheben, wenn Sie Ihr Kind Klothilde, Kunigunde, Sintbald oder Fürchtegott nennen wollen.

Wenn Sie sich gar nicht entscheiden können, versuchen Sie es doch mit einem kleinen Ritual. Es galt früher als eine Art Gottesurteil, heute ist es ein feierlicher, vielleicht hilfreicher Spaß:

Bezeichnen Sie eine Reihe gleich großer Kerzen mit je einem Namen, den Sie in die engere Wahl genommen haben. Zünden Sie die Kerzen an, die Kerze, die am längsten brennt, trägt den Namen, der auch dem Kind ein langes Leben, Glück und Reichtum schenken wird.