Entstehung und Bedeutung des Familiennamens

Müntefering

Unter den Namen der Politiker-Prominenz gibt es viele, die sich selbst erklären: Fischer, Müller, Koch, Schmidt, und eben so viele, die sich leicht entschlüsseln lassen. Aber es gibt auch Namen, die man "knacken" muss wie eine Nuss, ohne doch eine endgültige Erklärung zu finden. Stattdessen hat man sich zu bescheiden mit der Devise des Namenforschers Max Gottschald: "So kann der Name, nicht, so muss er gedeutet werden."

Der Name des SPD-Politikers Franz Müntefering besteht aus zwei Wörtern: Münte und Fering. Münter ist der Münzer, der Münzmeister, aber auch der Geldwechsler, niederdeutsch: Mönter. Fering ist die Bezeichnung für eine Münze: Der oberdeutsche Vierling, niederdeutsche Fering war im Mittelalter das Viertelstück (Quadrans) eines Pfennigs, also ein Viertelpfennig. Seit dem 14. Jahrhundert nannte man auch die niederdeutsche Witten einen Veerling. Die galt vier Pfennige.

Müntefering könnte also ein Berufsname sein: Ein Münzmeister, der vom Inhaber der Münzhoheit (dem Landesherrn) die Erlaubnis bekam, Feringe zu prägen. Diese Erklärung ist aber nicht wahrscheinlich, denn es gibt keine vergleichbaren Benennungen, keine Müntetaler, Müntemark oder Müntegroschen. Hinzu kommt, dass das Wort Münte hier als Verb auftritt und zwar als Imperativ, wie wir es aus Satznamen kennen: Münz den Fering!

Das und die Tatsache, dass es sich beim Fering um eine Münze von sehr geringem Wert handelt, lässt auf einen Übernamen schließen. Gemeint sein könnte einer, der oft Großes will, aber aus vielen Gründen nur Geringes zustande bringt. So wie wir auch heute sagen: "Der kann nur kleine Brötchen backen."

Da Münter aber auch Geldwechsler ist (münten=wechseln), könnte es der Neckname sein für einen, der gern kniffelige Probleme löst und harte Nüsse knackt, ja, dem man auch das eigentlich Unmögliche zutraut: Zum Beispiel die kleinste Währungseinheit, einen Viertelpfennig, zu wechseln.