Entstehung und Bedeutung des Familiennamens

Christiansen

Der Name Christiansen bedeutet "Christians Sohn".
In der Heldensage nennt sich Hildebrand "Heribrantes sunu", im Nibelungenlied heißt es von Siegfried, er sei "Siegmundes sun". Das ist lange, bevor unsere Familiennamen entstanden. Aber es leuchtet ein, dass später, als es in den dicht besiedelten Städten nötig wurde, die vielen Leute, die Heinrich oder Peter hießen, besser voneinander zu unterscheiden, man zu dem einfachen Mittel griff, ihrem Rufnamen den des Vaters anzuhängen: Das ist Peter, Christians Sohn.

Patronymika (Vaternamen) heißen die nach dem Namen des Vaters gebildeten Familiennamen in der Forschung. Sie sind in Norddeutschland sehr häufig, aber "Sohn" ist dort zu "-sen" abgeschwächt: Jensen, Petersen, Hansen etc. Von Flensburg heißt es: "Wo drei Personen beisammenstehn, heißt mindestens eine Petersen." (Obwohl der Name Hansen in Flensburg noch häufiger vorkommt). In Dänemark enden zwei Drittel aller Namen auf "-sen".

Patronyme treten in vielen Formen auf. Am häufigsten ist die Verbindung mit dem Wort Sohn (-sen, -son), am reinsten übrigens bei den jüdischen Mitbürgern (Mendelsohn, Wolfsohn), weil deren Namen später entstanden sind. Im Isländischen werden Patronymika auch mit dem Wort Tochter (-dottir) gebildet.
Oder es steht ein Genitiv: Statt "Hinrichs Sohn" einfach Hinrichs, Martens oder Carstens. Sehr häufig ist das im Englischen der Fall: Roberts, Davids. Das spanische "-ez" zum Beispiel bei Rodriguez, Fernandez oder Velasquez ist nichts anderes als die gotische Genitivendung "-is".
In anderen, vor allem slawischen Sprachen zeigen bestimmte Endungen (Suffixe) das Patronym an: In Russland enden viele Namen auf "-ov": Petrov, Alexandrov = Sohn des Peter, Sohn des Alexander. Frauennamen tragen die Endung "-ova": Petrova, Alexandrova. Vornehmer und in der Anrede gebräuchlich ist die Endung "-witsch": Zarewitsch, Iwan Alexandrowitsch.
Das tschechische und polnische "-sky" oder "-ski" bedeutet "zugehörig zu". Tatort-Kommissar Schimanski gehört also, seinem Namen nach, zu Simon.
Im Schottischen wird "Sohn" vorangestellt (MacDonald, MacPherson), ebenso im Irischen (O'Connor).

Bekannte Vaternamen der hebräischen und arabischen Sprachen sind Ben (=Sohn) Gurion, Gründungsvater und erster Ministerpräsident Israels, und die arabische Herrscherfamilie Ibn (=Sohn) Saud.